• A. Schweitzer Apotheke

Syphilis


Länger wird schon vermutet: wer sich mit der PrEP vor HIV schützt, verwendet seltener Kondome und hat dadurch ein erhöhtes Risiko für andere sexuell übertragbare Krankheiten.

Das Robert-Koch-Institut hat für das Jahr 2019 einen Anstieg bei den Syphilis-Diagnosen verzeichnet. Ein möglicher Grund für die Zunahme ist aber wohl auch, dass die Leitlinien zur Verschreibung von PrEP regelmäßige Tests auf Syphilis vorsehen. Dadurch komme es erstmals zum Anstieg der erkannten Syphilis-Fälle, später könne die Zahl aber sinken, da die Verbreitung der Erreger in der Bevölkerung durch vermehrte Therapien zurückgehe.


Übertragung:



Die Syphilis, auch Lues genannt, wird durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht. Am häufigsten wird T. pallidum bei direkten sexuellen Kontakten übertragen, dringt durch Mikroläsionen der Haut oder Schleimhaut in den Körper ein und führt in ca. 30% der Fälle zu einer Infektion. Die Inkubationszeit liegt durchschnittlich bei 14-24 Tagen.

Kondome bieten einen guten Schutz gegen eine Infektion, allerdings ist auch eine Übertragung durch Küssen bei oralem Ulkus möglich.

Etwa die Hälfte aller Infektionen verlaufen symptomlos und ca. 30% heilen unbehandelt spontan aus.

Eine anhaltende Syphilis-Infektion wird in vier Stadien eingeteilt, wobei der Patient in der Frühsyphilis (Stadium I und II) hochinfektiös bzw. infektiös ist und im Spätstadium (Stadium III und IV) trotz schwerwiegender Krankheitserscheinungen keine Infektiosität mehr von ihm ausgeht.


Symptomatik:

Syphilis I: 2-3 Wochen nach der Infektion bildet sich an der Eintrittsstelle (Penis, Hoden, Schamlippen, Anus oder im Mund) ein hartes Knötchen, auch Ulcus durum oder Harter Schanker genannt. Unbehandelt heilt dieser Primäraffekt nach 4-6 Wochen spontan aus und kann dann aber in weitere Stadien übergehen.

Syphilis II: nach 4 Wochen bis 6 Monaten nach der Infektion können intervallartig vielfältige Symptome auftreten, wie z.B. Lymphknotenschwellung, Hautauschläge, stellenweiser Haarausfall, Fieber, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen.

Syphilis III: 1 bis mehrere Jahre nach der Infektion bei unbehandelter und nicht spontan ausgeheilter Frühsyphilis können nun am und im ganzen Körper gummiartig verhärtete Knoten auftreten, die auch die inneren Organe und Gefäße befallen können.

Syphili IV: bei unbehandelter Infektion kann nach langjährigem Verlauf eine späte Neurosyphilis auftreten mit z.B. einschießenden Schmerzen in Bauch und Beine oder Störungen der Bewegungskoordination.


Diagnostik:

In der Regel erfolgt der Nachweis von Antikörpern im Blut. Auch ist der direkte Erregernachweis aus dem Sekret des Primäraffekts möglich.


Therapie:

Als Mittel der Wahl wird in allen Stadien Penicillin eingesetzt, eine Resistenz von Treponema pallidum ist bisher nicht bekannt. Bei Penicillin-Unverträglichkeit kann auf Doxycyclin oder Ceftriaxon ausgewichen werden.

Durch den raschen Zerfall der Erreger kann es zu grippeähnlichen Symptomen mit Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen kommen. Diese sogenannte Jarisch-Herxheimer-Reaktion kann durch die Gabe von Kortison behandelt werden.

Der Therapieerfolg wird durch Blutproben 3, 6, 9, 12, 18 und 24 Monate nach Behandlungsende überprüft. Je länger eine unbehandelte Syphilis bestanden hat desto langsamer normalisieren sich die Blutwerte.


Vorbeugung:

Bisher gibt es noch keine Impfung. Als Prävention dienen vor allem die Reduzierung von sexuellem Risikoverhalten, vermehrte screenings und ausreichende Therapie bei Gruppen mit einer erhöhten Krankheitshäufigkeit.

Bis zum Nachweis des Therapieerfolges muss beim Geschlechtsverkehr verhütet werden. Die Sexualpartner sollten informiert, untersucht und gegebenenfalls therapiert werden.

Die Syphilis unterliegt einer nichtnamentlichen Meldepflicht gemäß §7 Abs.3 IfSG an das RKI.


Quellen:

www.rki.de www.liebesleben.de www.pharmazeutische-zeitung.de


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